Wege und Irrwege einer Deutschen aus Russland

Aus dem 1. Kapitel: Hart schlagen die Räder der Aeroflot-Maschine auf dem Rollfeld auf. Ein Ruck, das Flugzeug drosselt allmählich seine Geschwindigkeit und steuert, in allen Fugen krachend und ächzend, auf das Flughafengebäude zu.
Frankfurt am Main. Endstation.
Im Flugzeug herrscht heitere Aufbruchstimmung: Man freut sich, nach Hause zurückgekehrt zu sein. Nach Hause … Mein Gott, wie ich sie alle beneide, die Menschen, die ein richtiges Zuhause haben, diese „echten“ Deutschen, unsere Mitreisenden, die so frei und unbeschwert lachen können und keine Angst haben, keine zu haben brauchen! Keine Angst, die einem die Kehle zuschnürt und einen nicht loslässt, Tage, Wochen, Monate, Jahre.
Mit weit aufgerissenen Augen starre ich wie gebannt zur Tür. Was, wenn sie es sich anders überlegt haben? Wenn sie die Ausreisegenehmigung rückgängig machen, um die wir lange Jahre verzweifelt gekämpft haben, und Schikanen sowie Erniedrigungen über uns haben ergehen lassen? Der Flieger gehört ja immer noch ihnen. Ich kenne die Sowjets zu gut, um noch Vertrauen zu ihnen zu haben.
Verstohlen schaue ich zu meinem Mann hinüber, der zwei Reihen hinter mir mit unseren Töchtern sitzt, und schrecke zusammen: Er, sonst betont ruhig und beherrscht, scheint auch ziemlich nervös und angespannt zu sein. Dann geht endlich die Tür auf. Keiner, der so aussieht, als wolle er jemanden zurückhalten. Ich schnelle von meinem Sitz hoch, packe die kleine Irene an der Hand und zerre sie so heftig zum Ausgang, dass das Kind erschrocken aufschreit. Nun aber schnell weg von hier, hämmert es in meinen Schläfen, weg, möglichst weit, weit weg. ...

Die Autorin beschreibt ihre Wege und Irrwege in einer aus den Fugen geratenen Welt.
Der lange Weg der Protagonistin Emma Wagner fängt 1944 in Marienheim/Ukraine an und verläuft weiter über Bessarabien-Rumänien-Ungarn-Polen bis nach Dresden, dann macht sie einen Knick, schlängelt sich über Polen nach Russland zurück und zieht sich von Kostroma über den Ural, West- und Ostsibirien bis hin zum Ochotkischen Meer, strebt dann gen Norden über Magadan Richtung Kolyma. Der Rückweg beginnt erst 1956, ist ruhiger, etwas kürzer und bringt die Autorin langsam, fast schrittweise zurück in den Westen, zunächst in den Ural, dann nach Moldawien, in die Nähe der Heimat ihrer Eltern, und schließlich nach Deutschland, dem Endpunkt ihrer Irrungen. Mit Spannung kann der Leser Spuren der Deutschen in Russland am Beispiel von Emma Wagner verfolgen. Das Buch ist in jeder Buchhandlung, beim Verlag und auch bei Amazon bestellbar. Es ist auch als E-Book in den E-Book-Shops erhältlich.

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